12.10.2006


Dieses Projekt hat die Beschäftigung mit 20 Jahren Musikkritik des ehemaligen SPEX-Herausgebers und derzeitigen Kunstkritikers (Texte zur Kunst, Artforum) Diedrich Diederichsen zum Ausgangspunkt.
Anders als bei der Diedrich Diederichsen Listening-Corner (siehe 1.2005) wurde die Musik über zwei PA's in den akustisch präparierten Räumen der Blinzelbar gespielt und die Chronologie durch Anfrage des Publikums bestimmt. Die Besucher konnten sich während der Tracks von einer Ecke des Raums zur anderen bewegen und auf diese Weise die beiden Geschmacksmuster vergleichen. Einige Besucher nutzen die Gelegenheit, Kommentare auf einen Teil der Wand zu schreiben, der hierfür vorgesehen war. Nach ca. 16 Tracks entstand eine allgemeine Diskussion über: kulturpolitische Ansätze und Möglichkeiten heute; Unterschiede zwischen Gegenöffentlichkeit in den USA und Deutschland; Kooptation, Karrierismus und Ausbeutung in der Musikindustrie; Wynton Marsalis'  Jazzneokonservativismus; der Hamburger Kunstverein und die Diederichsen Vortagsreihe dort.

Besucher Kommentare:

"Diederichsen, was fällt mir dazu ein? Nun, wir haben ihn damals gehasst. Er featured Majoracts, und das war damals Feindesland. Wenn man seine "intellektuellen" Kritiken las, meinte man, einem Wichtigtuer den Raum zu geben, den offensichtlich niemand anders haben wolle. So ließen wir ihm seine Kindereien und waren uns sicher, er interessiert einfach nicht. Denn einfach nur dagegen zu sein war damals schon zu einfach. Und mit pesudosoziologischen Fremdwörtern alles Wissen zu kaschieren – nun ja... Heute erinnert er mich an einen Typos Altintellektueller, dem eigentlich nie jemand vermissen würde. Immerhin sorgte er für Gesprächsstoff – zuviel Ehre. Schreibt er eigentlich auch über andere ausser sich? Mir fällt in diesen Kontext die Stadt Hannover ein – irgendwie überflussig und immer was zu sagen. Ich würde ihm heute wie damals nicht glauben, wenn er behaupten würde, er wäre bein den chaos-Tagen dabei gewesen. Wohl im Café gegenüber......"

"Parallel laufende Musik mit Erklärungen ist wesentlich interessanter als zwei Kopfhörer"

"Alles nicht verkehrt. Zwischenstand 7:6 für Michel!"

"So kompliziert Jazz oft klingt (aber nur bedingt ist), man kann feststellen, dass die Harmoniefolgen änlich dem Blues "traditionell" bleiben. (Zumindest in diesen Beispiel. Aber auch in anderen zusammenhängen). Bei "Rock" driftet es weiter auseinander."

"1992: Der Kritiker färbt hier auf den Musiker ab: Warum Wynton Marsalis als Neocon beschreiben? Ich hörte: er-hat-irgendwo-Hausmacht. Unterscheiden zwischen Künstler und Machtausübenden? Der Künstlerische Habitus als Moralinstanz?"


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